Eine queere Nummer

„Something in Between (Never Straight)“ gibt die Antwort auf die Frage, die vielen queeren Menschen gestellt wird: „Seit wann bist du eigentlich schwul/ lesbisch?“. Auch ich kenne diese Frage und weiß nie genau, wie ich sie beantworten soll – außer mit: „Ich war niemals straight, I was never straight.“ Damit beginnen auch einige Textzeilen und spielen dann mit der Doppeldeutigkeit von „straight“ im Sinne von „hetero“ aber auch „gradlinig“ und sagen dann „Ich war niemals ’straight‘ aber stets beharrlich“ etc.

Außerdem thematisiert der Song das Gefühl, sich keinem Milieu und keiner Gruppe zugehörig zu fühlen, sondern zugleich von vielem etwas – und somit stets irgendwo dazwischen – zu sein: „I don’t fit into schemes – and I am proud to be something in between.“ „Ich passe ich kein Schema und bin darüber froh.“

An „Something in Between“ habe ich lange gearbeitet; der Song ist ein Herzensthema und benötigte Zeit zu reifen, bis ich ihn aufnehmen konnte. Nach der Veröffentlichung von „Welcome to Ghost Town“, ein Song, der die Stimmung zu Beginn der Coronazeit beschreibt, legte ich eine mehrmonatige Pause ein, um mich als Songwriter neu zu justieren. Die Sinnfrage trieb mich um und die Coronazeit mit ihren Distanzforderungen und Separationen gab mir schlussendlich Antwort: Interaktion. Zunächst die Interaktion mit mir selbst, dann die mit den Hörer*innen. Welches Thema wäre da besser geeignet, als das von Identität und des Sich-selber-verortens?

Den Drumtrack hatten wir bereits vor dem ersten Lockdown mit Sessiondrummer Philipp Mies Anfang März 2020 bei meinem Producer Marius André aufgenommen. Nach der ungeplanten aber notwendigen Pause fand ich ab Januar 2021 wieder Kraft, Mut und Motivation, mich mit den Aufnahmen zu beschäftigen. Da ich mit Marius ohnehin viel digital und übers Internet arbeite, waren die Coronaeinschränkungen kein Problem.

Als ich den Text schrieb, hatte ich zunächst eine Klavierballade im Sinn, eher in Richtung Chanson, aber dann entpuppte sich „Something in Between“ als folkige Uptemponummer mit ganz leichten Punkelementen im Chorus. Eine tolle Entwicklung, die musikalisch das Thema des Texts, also das „Nicht in ein Schema passen“ aufgreift.

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